Indien

Einführung

Indien ist ein faszinierendes Land, voller Gegensätze. Besonders arm und reich ist nah bei einander, aber auch Tradition und Moderne, Kastendenken und Emanzipation, trist und farbenfroh.

In 2009 und 2010, aber auch später noch, bin ich häufig geschäftlich in Indien gewesen. Für das Land war kaum Zeit, aber ich hatte vorsichtshalber immer eine Kamera dabei. Die längste Zeit, die ich dabei je für mich hatte, war an einem Sonnabend, als sich aus technischen Gründen der Rückflug um einen Tag verschoben hat.

Mit einem meiner indischen Kollegen habe ich darüber gesprochen, dass mich besonders die Menschen interessieren, das Straßenleben. Da sagte er, dass ich mir das leicht ansehen könne, ich bräuchte nur morgens eine Stunde vor unserem Treffen einmal vorm Hotel um den Block zu gehen, da gebe es genug Straßenleben zu sehen. Das habe ich auch gemacht und ich fand es toll. Dabei sind besonders die Fotos in Kolkata und Chennai entstanden.

Die kurzen Momente haben gereicht, um viele Eindrücke, besonders der vielen Menschen, die hier leben, in ein paar Fotos einzufangen. Dabei bin ich nur in Delhi, Kolkata (ehemals Kalkutta) und Chennai (ehemals Madras) gewesen.

Nach diesen drei Städten habe ich die Fotos sortiert, mit dem zusätzlichen Punkt „Chennai am Strand“.

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Inhalt

Delhi
Kolkata
Chennai
Chennai am Strand

Delhi 

Meine erste Reise ging nach Delhi. Viele Deutsche sprechen auch von Neu Delhi. Tatsächlich sind Neu Delhi und alt Delhi zusammengewachsen, falls sie überhaupt je getrennt waren. Es gibt aber Unterschiede und der augenfälligstes ist, dass es in Neu Delhi keine Kühe auf der Straße gibt.

In Neu Delhi ist auch das Rashtrapati Bhavan (राष्ट्रपति भवन; Hindi für „Haus des Präsidenten“), also der Amtssitz und Residenz des Präsidenten, auch ein Überbleibsel der britischen Kolonialzeit. Auf dem Weg zum Hotel hat mein Fahrer dahin einen Abstecher gemacht. Bei dem strömenden Regen Anfang September blieb mir aber nur, vom Eingangsbereich ein Foto durchs Autofenster zu machen.

Mehr indisch-britische Architektur wird es auf dieser Seite aber nicht zu sehen geben.

Allgegenwärtig ist dann vielmehr, dass einige Inder direkt auf der Straße leben. Das jedenfalls war auch einer meiner ersten Eindrücke.

Sie scheinen mit der Straßenbaustelle mitzuziehen. Und die Baustelle ist dann auch gleich der Spielplatz, jedenfalls für dieses Mädchen, die sonst nichts zu haben schien.

Mit Rikschafahren wird man wohl nicht reich werden, aber anscheinend kann man trotzdem glücklich und zufrieden sein.

Die vielen Gesichter einzufangen, war dann auch vielfach mein Antrieb beim Fotografieren.

Aber natürlich gab es auch andere Motive, wie diesen Blumenmarkt. Hier wurde besonders Blütenschmuck angeboten. Viele Inderinnen tragen solchen Blütenschmuck im Haar, was man besonders unten auf den Fotos aus Chennai noch sehen kann.

Dieser Blumenmarkt ist übrigens ein Beispiel dafür, dass trist und farbenfroh nah bei einander sind, denn diese Stände mit all den bunten Blüten stehen in einer ziemlich dreckigen Straße, auf der auch Schweine herumgelaufen sind.

Ich will aber auch wenigstens eine Innenansicht vom Hotel zeigen. Wir waren nicht in den schlechtesten Hotels untergebracht und dort war auch der Platz eher großzügig vergeben. Die Ausstattung hatte meist einen Touch von Kolonialmacht, wie auf dem unten gezeigten Hotelflur.

Besonders auffällig ist auch der Personaleinsatz der Hotels. Es geht bereits damit los, dass man am Flughafen abgeholt wird. In einem Fall kamen sogar zwei Personen zum Abholen.

Das folgende Foto zeigt übrigens meinen ersten Fahrer in Delhi. Für das Foto hat er extra Haltung angenommen. Es ist übrigens sehr unüblich, sich auf den Beifahrersitz neben den Fahrer zu setzen und ihn als gleichberechtigten Gesprächspartner anzusehen, also das, was ich gemacht habe.

Jedenfalls gibt es dann am Hoteleingang einen weiteren Mann, der dort alles regelt. Er bestellt Autos mit Fahrern, seien es fremde oder hoteleigene, und hält die Autotüren auf. Das ist dann auch die Gelegenheit, ihm Trinkgeld zu geben. Er ist auffällig gekleidet, dabei aber in weiß mit auffälliger Kopfbedeckung. Es scheint meist ein Sikh zu sein. Leider habe ich kein Foto.

Häufig gibt es auch eine Person, die einen zum Zimmer bringt und das Zimmer zeigt (s.u. das erste Foto zu Chennai).

Und wenn man dann wieder auf der Straße ist, springt einem der starke Gegensatz entgegen, dass viele Inder mit sehr viel weniger auskommen müssen. Mit viel weniger Geld und viel weniger Platz.

Dieser, ich will ihn mal Tuc-Tuc-Pickup nennen, ist auch nur ein Dreirad und hat eher die Größe von einem Trabbi. Ob die Kiste auf dem Dach befestigt ist, kann ich nicht sagen.

Da hatten diese 8+x Personen auf der LKW-Ladefläche schon mehr Platz. Sie haben besonders angefangen zu lächeln und zu winken, als sie gesehen haben, dass ich mit der Kamera zum Fotografieren ansetzte.

Sehr typisch ist auch die Aufschrift „Horn Please“. Auf Indiens Straßen, jedenfalls in der Stadt, wird sehr viel gehupt, auch wenn es nichts bringt. In manchen Städten fahren LKWs überwiegend nachts, häufig auch ohne Licht.

Einer meiner Fahrer sagt einmal, dass man zum Autofahren in Indien drei Sachen benötige:

  • Good Horn
  • Good Brakes
  • Good Luck

Es ist praktisch überall Leben auf der Straße. Der folgende Obst- und Gemüsestand schien im Nirgendwo zu stehen, naja, an einer größeren Straße in Delhi, aber dennoch irgendwie abseits.

In Delhi gibt es auch einige Parks, zum Beispiel den Lodi-Park, in dem viele Inder vor der Arbeit ihrem Frühsport nachgehen. Er ist in der Nähe des Delhi-High-Court und so kann man dort morgens auch Richter, Senior Counsel (das indische Pendant zum Barrister) und Anwälte antreffen. Vielleicht wird hier ja das eine oder andere Urteil beim Yoga ausgehandelt.

Dieser schöne, ausladende Baum steht auch dort.

Solch streunende Hunde auf der Brücke zum Lodi-Park sind in Delhi allgegenwärtig, wahrscheinlich überall in indischen Großstädten.

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Kolkata

Einige größere Städte in Indien haben wieder ihre ursprünglichen Namen zurückbekommen, nämlich wie sie vor der Kolonialisierung durch die Engländer gehießen haben. So wurde Kalkutta wieder in Kolkata zurückbenannt.

In Kolkata war ich nur einmal, wenn ich mich recht erinnere. Jedenfalls habe ich nur Fotos von einem Tag, an dem ich nämlich morgens einfach das Straßenleben im Block vor meinem Hotel eingefangen habe. Das habe ich in Chennai auch gemacht (s.u.).

Das Foto vom Schuhputzer ist eines meiner Favoriten. Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Platz dieser Schuhputzer auskommt.

Verheiratete Frauen in Indien tragen traditionell und auch üblicherweise einen Sari und zwar bunt in den unterschiedlichsten Farben. Ich möchte fast meinen, dass Indischen Frauen im Grunde alle Farben stehen.  Das folgende Foto besticht zudem dadurch, dass der Sari (fast) Ton in Ton ist mit dem Bus im Hintergrund.

Man taucht irgendwie in eine ganz andere Welt aus einem anderen Jahrhundert ein, in dem noch sehr viel Handarbeit eingesetzt wird.

Diese Menschen scheinen auf Arbeit im Bauwesen zu warten. Vermute, dass sie dort jeden Morgen sitzen und auf Arbeit warten.

Es wird auch viel per Hand transportiert. Wenn man im Hotel den Wasserhahn aufdreht, kann man sich kaum vorstellen, dass es noch irgendeinen Sinn ergibt, Wasser in Blecheimern über die Straße zu tragen, wenn es denn Wasser in den Blecheimern ist.

Das um die Hüfte geschlungene Tuch ist übrigens die traditionelle Indische Kleidung für Männer.

Lastenfahrräder werden auch vielfach und in diversen Variationen verwendet. Der obige Lastenbiker ist ebenfalls traditionell gekleidet.

Natürlich kann man auch Menschen mit einem Lastenrad transportieren.

Einen Markt gab es bei meinem Hotel auch gleich um die Ecke.

Mangoschäler scheint in Indien ein eigener Beruf zu sein. Auch sehr üblich in Indien ist es, als Unterlage fürs Essen Blätter von Bananenstauden zu verwenden, was auch der Mangoschäler macht.

Diverse Straßenküchen gibt es auch, ebenso wie Rikschas. Ich habe allerdings mehr Rikschas stehen als fahren gesehen und auch hier warten die Rikschafahrer auf Arbeit.

Die Bettlerin im Hintergrund könnte aus dem Orden von Mutter Teresa stammen, die schließlich in Kolkata gewirkt hat und auch ein weißes Gewand mit blauer Bordüre trug, was den Orden kennzeichnen dürfte.

Noch ein fleißiger Träger. Der Korb voller Tonschalen sieht nicht gerade leicht aus.

Etwas skurril fand ich auch diese Kleidung ohne Besitzer. Aber es unterstreicht, dass das Leben sich zu einem großen Teil auf der Straße abspielt. Für manche Inder findet es ausschließlich auf der Straße statt.

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Chennai

In Chennai war ich wahrscheinlich am öftesten und auch hier sind viele Fotos in unmittelbarer Nähe meines Hotels aufgenommen worden, einfach bei einem morgendlichen, kurzen Rundgang.

Zunächst aber ein Foto aus dem Hotel, nämlich von einer, ich will sie mal Empfangsdame nennen, die damit betraut ist, den Gästen ihre Zimmer zu zeigen.

Eines meiner Lieblingsfotos ist diese Familie auf dem Motorrad. Neben der interessanten Momentaufnahme halte ich es auch deswegen für gelungen, weil ich mit der Kamera mit der Bewegung des Motorrads mitgegangen bin, so dass nur das Motorrad mit Familie scharf ist, der Hintergrund nicht.

Auch schön ist der Sari der Mitfahrerin und der typische Blütenschmuck in ihrem schwarzen Haar.

Schon die Schulmädchen tragen diesen Blütenschmuck im Haar.

Irgendjemand muss all diese Blütenketten anfertigen. Und auch dazu findet die Arbeit buchstäblich auf der Straße statt.

Ich bin mir nicht sicher, ob sie nur aus praktischen Überlegungen auf dem Fußboden sitzt, oder ob auch das in Indien weiterhin spürbare Kastendenken eine Rolle spielt.

Ein Straßenhändler mit beeindruckendem Verkaufsfahrrad.

Stolzer Papa, hat seine Tochter extra fürs Foto hochgehalten. Sie war aber nicht so glücklich damit.

Vier Frauen fertigen eine Bambusmatte. Oft scheint es, dass Indien Meister darin ist, Menschen zu beschäftigen.

Eine solche Matte kann man aber wohl auch alleine fertigen. Auch dieses Foto habe ich über die Straße hinweg aufgenommen. Das ist der Frau dann aufgefallen, woraufhin sie verlegen gelächelt hat.

In der Müllentsorgung ist Indien übrigens kein Meister.

In diesen Hütten am vermüllten Flussabschnitt dürften wohl die Ärmsten wohnen.

An dem Tag, als der Rückflug aus technischen Gründen um einen Tag verschoben wurde, hatte ich einen Spaziergang zu einem Ruderclub in Chennai gemacht. Dort gab es praktisch zu beiden Seiten des Flusses einen 3 Meter breiten Müllstreifen, auf dem Plastikmüll eine geschlossene Schicht gebildet hat.

Zwei Schnappschüsse aus dem Straßengewühl.

Diese junge Frau trägt die für unverheiratete Frauen traditionelle und übliche Kleidung, nämlich das Salwar Kamiz, das aus einem langem Hemd über einer Hose besteht, meist ergänzt durch einen Schal, den auch diese Frau trägt.

Die Nummer des Motorrads verrät auch, wo sich die Szene wohl abspielt. Die Buchstaben TN stehen für Tamil Nadu, den Bundesstaat, in dem Chennai liegt, also das „Land der Tamilen“. Zu Zeiten der Briten hieß die Stadt Madras, genau wie der Bundesstaat. Für weitere Informationen möchte ich auf Wikipedia zum Artikel Tamil Nadu verweisen.

Solche Kuhwagen habe ich nicht so oft gesehen, aber es gibt sie. Er scheint Material für eine Bauunternehmung zu liefern.

Und so kann es dann auf einer Baustelle weitergehen…

… mit viel körperlicher Arbeit. Besonders leicht sieht die Schale voller Zement, die die zweite Frau von rechts gerade auf dem Kopf hat, nicht aus.

Dieser Mann hat mit einer solchen Hingabe das Auto gewienert, sicherlich nicht sein eigenes, dass er von mir gar keine Notiz genommen hat.

Diese alte Frau hat sich auf meine gestikulierte Bitte hin fotografieren lassen.

Der Näher hat extra für mich posiert. Das fand ich nett, aber die natürlicheren Fotos sind doch meist diejenigen, bei denen das Fotomodell von dem Fotografen keine Notiz nimmt, wie auf dem nachfolgenden Foto.

Habe das vorstehende Foto „Große Augen im Sari-Laden“ genannt.

Noch eine Straßenszene mit Marktstand. Der Sari-Laden ist übrigens gleich im Haus dahinter.

Nicht nur Afrikaner können ihre Waren auf dem Kopf balancieren.

Noch ein Beispiel Indischer Transportvielfalt…

… und Transportkreativität. Sicherheitsgedanken spielen wohl keine Rolle.

Ich konnte nicht widerstehen, dieses Foto auch einzustellen. Es strahlt für mich eine faszinierende Unwirklichkeit aus, wie aus einer vergangenen Zeit oder anderen Welt. Die Menschen wirken verloren auf der zu großen Straße.

Sie führt übrigens zum Strand und damit zum nächsten Kapitel.

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Chennai am Strand

Mein Lieblingsfoto, die Indische Seiltänzerin.

Sie balancierte am Strand von Chennai. Ihr Vater, nehme ich jedenfalls an, trommelt dazu auf einer Blechtrommel. Ihre Mutter sitzt mit einem Kleinkind daneben.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Familie hierdurch ihr einziges Einkommen generiert.

Bei der Seiltänzerin und ihrer Familie vermute ich, dass sie dort ihren Lebensmittelpunkt haben. Viele Inder am Strand von Chennai sind aber selbst in ihrer Freizeit dort, wie wahrscheinlich die folgende Gruppe.

Typisch an diesem Foto ist auch, dass die Inder, jedenfalls in Chennai am Strand, in ihren Kleidern ins Wasser gehen. Badesachen scheinen weitgehend unbekannt zu sein.

Dass die doch eher leichte Kleidung dann nass ist, ist am 13. Breitengrad im August wohl nicht so störend, vielleicht sogar angenehm.

Dennoch flanieren Frauen wohl lieber am Strand, während Männer eher mal ins Wasser gehen, jedenfalls weiter ins Wasser gehen. Diese vier Frauen tragen alle einen Salwar Kamiz.

Obwohl im folgenden Foto die Saris  selbst eher schlicht sind, besticht das Foto besonders durch die Farbzusammenstellung der Kleidung mit den Gebrauchsgegenständen.

Man kann in obigem Foto auch schön sehen, wie Saris getragen werden. Zu einem Sari, was eigentlich nur das lange gewickelte Tuch bezeichnet, gehört nämlich eine Art Unterziehtop, das als Choli bezeichnet wird.

Auch bei diesen vier Grazien haben mich besonders ihre Saris angesprochen.

Dieser Herr ist wohl nicht zu seinem Vergnügen hier. Man sieht ihm seine Mühe an, das beladene Fahrrad durch den Sand zu schieben.

Kleine Verkaufsstände sind auch sehr üblich am Strand von Chennai.

Hier noch ein Schnappschuss einer Strandszene. Aber was gibt es eigentlich zu sehen?

Die Herren und die Dame im orangefarbenen Sari, dürften wohl in ihrer Freizeit am Strand sein. Die Mutter im geblümten Sari mit grünem Choli und Baby auf dem Arm ist aber nicht zu ihrem Freizeitvergnügen da. Sie ist, zusammen mit ihrem kleinen Sohn in der grünen Hose und ihrer Tochter im hellen Kleid auf die Gruppe zugegangen und hofft auf ein Almosen. Ob sie erfolgreich war, weiß ich nicht.

Noch ein Foto einer familienähnlichen Gruppe am Strand. Von solchen Holzkonstruktionen mit einem abgedeckten und verschnürten Haufen darauf gibt es einige am Strand in Chennai. Ich vermute, dass das irgendwelchen Fischern gehört. Die Frauen mit den Jungs nutzen sie wohl nur als Sitzgelegenheit, Ablage und Schattenspender.

Auch die Boote, die am Strand liegen, können als Schattenspender dienen. Diese Bootsform ist hier häufiger zu sehen.

Von solchen Flößen gibt es auch mehrere am Strand. Wenn ich ausnahmsweise mal die Menschen frage, ob ich sie fotografieren darf, ist die Reaktion üblicherweise positiv, wie auch hier.

Das ist nicht in der Sahara, sondern auch nur am Strand von Chennai, auch eines meiner Lieblingsfotos. Irgendwie eignet es sich auch gut als Abschlussfoto.

Wer noch mehr Fotos sehen möchte, kann sich gerne bei mir melden.

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